EHEC-Diagnostik
Der synlab-Kooperationspartner BZH – Deutsches Beratungszentrum für Hygiene, Freiburg – hat einen Newsletter zum Thema EHEC herausgegeben, den wir unten stehend zusammenfassen.
Darin wird insbesondere eine schnelle mikrobiologische Diagnostik empfohlen – nicht nur wegen der Implementierung von Hygienemaßnahmen, sondern auch zur rechtzeitigen Erkennung eines eventuellen Nierenversagens.
Nach den aktuellen Empfehlungen des RKI sollte eine EHEC-Infektion bei jeder akuten Gastroenteritis im Kindesalter differentialdiagnostisch berücksichtigt werden.
Da derzeit die Patienten zumeist im Erwachsenenalter sind, gilt dies
- unabhängig vom Alter auch bei blutigen Durchfällen oder für Ausbrüche von Gastroenteritis-Fällen (2 und mehr Beteiligte).
Darüber hinaus besteht in den folgenden Situationen stets die Indikation zur mikrobiologischen Untersuchung einer Stuhlprobe auf EHEC:
- Diarrhoe und eine der folgenden Bedingungen:
- wegen Diarrhoe hospitalisierte Kinder bis zum 6. Lebensjahr
- sichtbares Blut im Stuhl
- endoskopisch nachgewiesene hämorrhagische Kolitis
- Patient ist direkt mit Herstellen, Behandeln oder Inver-kehrbringen von Lebensmitteln befasst oder arbeitet in Küchen von Gaststätten oder sonstigen Einrichtungen mit/ zur Gemeinschaftsverpflegung
(§ 42 Abs. 1 Nr.3 lit. a und b IfSG).
- HUS (hämolytisch-urämisches Syndrom)
- Kontaktpersonen von Patienten mit HUS
- Patienten mit akutem Nierenversagen im Zusammenhang mit Durchfällen
Für den Test benötigen wir eine Stuhlprobe.
Ein positives Ergebnis muss molekularbiologisch bestätigt werden.
Der Befund liegt am nächsten Tag (Nachmittag) vor und geht direkt an den Arzt, parallel an das Gesundheitsamt.
Wird gleich der molekularbiologische Test durchgeführt, ist die Diagnostik aussagekräftiger und einen Tag eher fertig.
Allgemeine Infos zu dem Darmkeim:
EHEC – Wo kommen sie vor und wie werden sie übertragen?
EHEC sind hochpathogene Varianten des Bakteriums Escherichia coli, das Teil der natürlichen Darmflora von Mensch und Tier ist. Sie sind weltweit verbreitet. Entstanden sind sie wahrscheinlich vor zirka 30 Jahren im Pansen von Kühen durch Gentransfer.
Der aktuelle Stamm des HUS-Ausbruchs ist gut charakterisiert und hat als herausragende Merkmale:
- Shigatoxin 2 positiv, Intimin (eae-Gen) negativ und zusätzlich die Toxine eines entero-aggregativen E. coli (EaggEC); Oberflächen-Antigen O104.
- Es handelt sich um einen ESBL E. coli, das heißt, alle gängigen Penicillin und Cephalosporine sind per se zur Therapie ungeeignet. Die aktuelle Empfehlung wäre, wenn, dann mit Carbapenemen.
- Eine antibiotische Therapie ist jedoch bis auf wenige Ausnahmen nicht indiziert, da sie die Symptomatik eher verschlimmert.
Neben dem Ausbruch-Stamm existieren noch andere EHEC-Stämme, die die o.g. Eigenschaften nicht aufweisen und andere Oberflächen-Antigene und Toxine haben.
Das natürliche Reservoir von EHEC ist der Darm von Rindern oder anderen Wiederkäuern. Beim Menschen können sie eine asymptomatische Besiedlung oder eine hämorrhagische Colitis mit Bauchschmerzen und blutiger Diarrhoe verursachen. Eine länger andauernde Besiedlung kommt beim Menschen wahrscheinlich nicht vor.
Je nach Schwere der Erkrankung wurde eine Ausscheidungsdauer zwischen 10 und 21 Tagen beschrieben.
Die Infektionsdosis ist niedrig. Die Aufnahme des Erregers erfolgt meist über mit Fäkalkeimen verunreinigtes Wasser oder kontaminierte (Fäkaldüngung) Lebensmittel, wie bspw. Obst, Salat oder Gemüse. Auch rohes Rindfleisch, Rohmilch bzw. Rohmilchprodukte können EHEC enthalten. So war der erste beschriebene Ausbruch 1982 durch nicht ganz durchgegarte Hamburger verursacht.
Es gewisses Risiko kann auch vom Verzehr von streichfähigen Rohwürsten (Tee-, Mettwurst, etc.) ausgehen. Die Infektion kann gelegentlich durch direkten Kontakt mit Tieren oder den Umgang mit verunreinigten Lebensmitteln übertragen werden.
Den besten Schutz gegen eine Übertragung bietet daher im häuslichen Umfeld gründliches Händewaschen und sorgfältiges Waschen von Salaten, Obst und Gemüse.
Inkubationszeit und Symptome
Die Inkubationszeit kann zwischen zwei und zehn Tagen betragen, im Durchschnitt etwa drei bis vier Tage. Die Erkrankung beginnt in der Mehrzahl der Fälle mit meist wässrigem Durchfall, begleitet von Unwohlsein, Erbrechen und Unterleibschmerzen.
10 bis 20 Prozent der Erkrankten klagen über krampfartige Unterleibsschmerzen und haben blutigen Durchfall und Fieber.
Bei abwehrgeschwächten Personen, Säuglingen und Kleinkindern sowie alten Menschen kann es zu schweren Verlaufsformen kommen.
Gefürchtet ist das in ca. fünf bis zehn Prozent der symptomatischen EHEC-Infektionen vor allem bei Kindern vor-kommende hämolytisch-urämische Syndrom (HUS): Hämolytische Anämie, Thrombozytopenie und Nierenversagen, das bis zur Anurie und Dialysepflicht führen kann.
Die Letalität des HUS in der Akutphase kann bis zu zwei Prozent betragen.
Therapie
Die Therapie ist symptomatisch. Eine antibiotische Therapie ist i. d. R. nicht indiziert und kann durch Lyse von Bakterien zur Freisetzung von Toxinen beitragen sowie die Bakterienausscheidung verlängern.
In jüngerer Zeit nehmen diverse Antibiotikaresistenzen bei E. coli insgesamt zu. Bei komplizierten Fällen sollte eine infektiologische Beratung erwogen werden.
Eine seriöse und gut recherchierte Übersicht einschließlich Präventionsmaßnahmen im häuslichen Umfeld findet man z. B. hier.
Am 6. Juni hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BFR) folgende aktuelle Info publiziert:
Aus vorsorglichen Gründen wird nach wie vor empfohlen, auf den Verzehr von nicht erhitzten Gemüsesorten, die als Infektionsursache im Verdacht stehen (Tomaten, Salatgurken, Blattsalate, Sprossen und Keimlinge) zu verzichten.
Bereits geringe Keimmengen reichen für eine Infektion aus.
Bei Gemüsesorten, die nicht als Infektionsursache im Verdacht stehen, ist zu beachten, dass diese vor dem Konsum gründlich gewaschen (mindestens 30 Sekunden mit kräftigem Reiben und warmem Wasser) und ggf. geschält werden sollten.
Unbedenklich ist der Verzehr von ausreichend erhitztem Gemüse. Voraussetzung ist, dass für mindestens zwei Minuten eine Temperatur von 70 Grad Celsius im Kern des Lebensmittels erreicht wird.
Gegenüber anderen Umwelteinflüssen, wie Kälte, Austrocknung etc., sind die Bakterien relativ unempfindlich. Auch durch Tiefgefrieren von Lebensmitteln lassen sich EHEC-Keime nicht zuverlässig abtöten.

