MRSA-Prävention in Klinik und Praxis


Für eine Regeluntersuchung bei Klinikaufnahme hat sich der Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) bei einem Expertentalk in Berlin ausgesprochen.

„Kapituliert Deutschland vor den Killerkeimen?“ war die Veranstaltung überschrieben. Angesichts einer halben Million Krankenhausinfektionen mit 30 000 Toten pro Jahr appellierte der VDGH-Vorsitzende Matthias Borst an Bund und Länder, im Kampf gegen diese „gesundheitspolitische Zeitbombe“ nicht nachzulassen und „mutige Schritte zur Bekämpfung multiresistenter Keime“ einzuleiten.

Konsequentes Screening

Aber welche? Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, Prof. Martin Exner, forderte die „konsequente Implementierung von Screening-Verfahren“, um Patienten zu erkennen, die mit multiresistenten Keimen infiziert sind. Dies sei die „entscheidende Voraussetzung, um unmittelbar krankenhaushygienische Maßnahmen einleiten zu können“.

Beide Fachleute verwiesen auf die Erfolge, die die Niederlande sowie die skandinavischen Länder durch solche Regelungen erzielt hätten. In den Niederlanden werden Patienten bereits bei der Aufnahme in die Klinik gezielt auf MRSA-Keime untersucht und so lange vom normalen Klinikbetrieb getrennt, bis ein Laborergebnis vorliegt. In der Folge weise das Land eine europaweit beispielhaft niedrige Rate an Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Infektionen auf.

MRSA in der Arztpraxis

Bei der Entlassung eines MRSA-Patienten aus dem Krankenhaus ist die Weitergabe der Information über Trägerstatus und eventuell begonnene Sanierungsmaßnahmen entscheidend. Eine im Krankenhaus begonnene Sanierungsbehandlung wird im Normalfall vom Hausarzt fortgesetzt. Der Sanierungserfolg wird durch Kontrollabstriche überprüft.

Auch in der Arztpraxis kann es zu einer MRSA-Übertragung von einem Patienten auf einen anderen kommen. Die Übertragung findet dabei vor allem über kolonisierte Hände oder Instrumente statt. Um dies zu verhindern, müssen die Hygienemaßnahmen konsequent umgesetzt werden. Die korrekt ausgeführte Händedesinfektion vor und nach jedem Patientenkontakt ist dabei am wichtigsten.

Händehygiene als Basismaßnahme

Hinzu kommt: Die bislang klaren Grenzen zwischen stationärer und ambulanter Medizin verwischen zunehmend: Viele Therapien – unlängst noch an eine Hospitalisation gebunden – können heute ambulant durchgeführt werden.

Immunsupprimierte Patienten werden nicht nur in der Hämato-Onkologie, sondern auch in der Rheumatologie und anderen medizinischen Fachbereichen in Ambulanz und Praxis zunehmend häufiger gesehen. Praktizierende Ärzte müssen heute wie die Krankenhäuser grundsätzliche Maßnahmen zur Vermeidung der Übertragung von Infektionskrankheiten treffen

Die Basismaßnahmen der Infektprävention umfassen die Händehygiene, den sorgfältigen Umgang beim Einsatz von Antibiotika, die Isolation von Patienten mit multiresistenten Erregern, die Identifikation von Trägern und Erkrankten und, soweit nötig, die rasch wirksame Therapie.

Beratungszentrum für Hygiene

Der synlab-Partner BZH (Beratungszentrum für Hygiene führt regelmäßig Hygienekongresse durch sowie Kurse, bei denen Ärzte und Mitarbeiterinnen zu Hygienebeauftragten fortgebildet werden. In den verschiedenen synlab-Laboren werden mikrobiologische Untersuchungen – auch von Bioindikatoren – und Hygieneberatungen für die niedergelassene Arztpraxis angeboten. Sprechen Sie Ihren synlab-Außendienst darauf an.

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Ansprechpartner

Dr. med. Johanna Lerner
Fachärztin für Laboratoriumsmedizin
Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie
und Infektionsepidemiologie,
Krankenhaushygienikerin (BÄMI)
johanna.lerner@synlab.com