
Stressüberwachung
Stressüberwachung
Reine Nervensache
Dem Stress Paroli bieten
Der Stau ist kilometerlang. Die Chancen, noch vor Ladenschluss zum Einkaufen zu kommen, sinken mit jeder Minute.
Zu Hause warten Berge unerledigter Arbeit, im Job herrscht Chaos, und dann sagt auch noch der Partner den Weekend- Trip ab. Die Stimmung sinkt auf den Nullpunkt, und der Körper funkt nur noch ein Signal:
Stress, Stress, Stress!
Leben auf der Überholspur
Wissenschaftler warnen: Wir leben in einer Nonstop- Gesellschaft, rasen im Höchsttempo durchs Leben, gönnen uns kaum Pausen. 1950 führte der Biologe Hans Seyle den Begriff „Stress“ in die Humanwissenschaften ein. Starke „ Stressoren“ sind etwa Konkurrenzdruck. Oder das Gefühl, leicht ersetzbar zu sein.
Die Folge: Negativer Stress (Distress – im Gegensatz zum gesunden, leistungsfördernden Eustress) nimmt ständig zu. Aber auch Unterforderung strengt an, genauso wie Einsamkeit und Langeweile. Und nicht zuletzt führen verdrängte Emotionen und ungelöste Konflikte zum Dauerfrust, der langfristig Körper und Seele schadet.
Die Nerven
Bei einer lang andauernden Überforderung fehlt es uns an positiven Ausgleichserlebnissen. Wir fühlen uns unausgeglichen, schlafen schlecht und können uns nicht richtig konzentrieren. Vorsicht: Das kann geradewegs in eine Depression führen.
Die Hormone
Bei Belastung schüttet die Nebenniere vermehrt das Stresshormon Cortisol aus, das die körpereigenen Immunkräfte lahm legt. Die Schilddrüse arbeitet auf Hochtouren. Eine längere Überfunktion dieser Drüsen führt zu Nervosität, Schlaflosigkeit und Gewichtsverlust. Auch die Lust am Sex kann nachlassen.
Denn bei Dauerbelastung herrscht im Körper ein Hormonchaos – zum Beispiel kreist viel weniger Testosteron im Blut.
Das Immunsystem
Bei einer US-Studie wurden Medizinstudenten vor einer wichtigen Prüfung untersucht. Der eine Teil musste den Examensstress hilflos über sich ergehen lassen. Der andere Teil führte gezielte Entspannungsübungen durch. Das Resultat: Die Relaxten hatten deutlich mehr Helferzellen im Blut als die andere Gruppe.
Oder: Für eine britische Studie ließen sich 400 Testpersonen mit Schnupfenviren infizieren. Wer zuvor in dem Fragebogen angegeben hatte, sich momentan überlastet zu fühlen, schniefte danach erheblich häufiger.
Bedeutet: Das Immunsystem kann bei Überbelastung Infektionen nur unzureichend bekämpfen, wodurch es zu chronischen Infekten kommen kann.
Hat der Stress Sie fest im Griff?
Bei der deutsch-russischen Weltraummission „MIR 9710“ im Frühjahr 1997 gehörte zu den medizinischen Experimenten erstmals auch die Stressüberwachung der Kosmonauten durch verschiedene Hormonbestimmungen. Ein Jahrzehnt später stehen diese Verfahren jedem Praxisbesucher zur Verfügung.
Wenige Tropfen Blut genügen, um Einblick in die augenblickliche Stress-Verarbeitung Ihres Körpers zu erhalten. Dabei wird unter anderem der Cortisol-Spiegel oder die Menge der Immun-Antikörper gemessen.
Jeder kann von einfachen Labortestverfahren profitieren, bei denen nach den Auswirkungen von Dauerbelastung auf das Nerven-, Hormon- und Immunsystem gefahndet wird. Damit Sie genau wissen, wie stark Sie momentan Stress ausgesetzt sind.
Und gezielt gegensteuern können.

