Erbliches Nichtpolypöses Kolonkarzinom

Was wird benötigt?

Nicht tumoröses Gewebe (z.B. eine 2ml-EDTA-Blutbild-Monovette oder ein Paraffinblock mit Gewebe außerhalb des Tumors) und einen Paraffinblock mit Tumorgewebe (ersatzweise sechs 5µm-Schnitte auf Objektträgern) bitte zusammen mit den Unterlagen (siehe unten) an folgende Adresse schicken:

Kooperationsgemeinschaft Molekulare Labordiagnostik*
Laborarztpraxis Dr. med. Roskos
Postfach 100 264
07702 Jena

*Die Kooperationsgemeinschaft ist ein Zusammenschluß von Oncoscreen und der Laborarztpraxis.

Bitte legen Sie folgende Unterlagen bei:

  • einen ausgefüllten Anforderungsschein mit Fragebogen
  • für Kassenpatienten in Deutschland zusätzlich: einen Überweisungs-/Abrechnungsschein für Laboratoriumsuntersuchungen als Auftragsleistung (Nr. 10).
    WICHTIG: Angabe der Diagnose und unter "Auftrag": "MSI-Test". Damit kann dieser Test für Patienten der gesetzlichen Krankenkassen als "O-III-Leistung" angefordert werden und belastet mit der Ziffer 32012 das Laborbudget bei Tumorpatienten ggf. nicht.

Bitte vergessen Sie nicht, für unsere Rückmeldung Namen und Telefon-Nummer des behandelnden Arztes in Druckbuchstaben anzugeben.

Das Versenden kann auf dem normalen Postweg ohne Kühlung in einem wattierten Umschlag erfolgen. Wir garantieren eine Rückmeldung innerhalb von sechs Werktagen nach Eingang der Probe bei Oncoscreen.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das hereditäre nicht polypöse kolorektale Karzinom (HNPCC) ist die häufigste Form der erblichen Veranlagung zum kolorektalen Karzinom und verschiedener anderer Tumore (v.a. Endometriumkarzinom). Eine zuverlässige Identifikation ist Voraussetzung für eine gezielte und effiziente Krebsvorsorge und damit eine frühzeitige Therapie. Dies gilt für den betroffenen Patienten selbst (Gefahr des Auftretens von Sekundärtumoren) aber insbesondere für dessen Familienmitglieder. Verwandte ersten Grades eines HNPCC-Patienten tragen ein 50%iges Risiko, selbst Merkmalsträger zu sein. Zum Management von Risikopersonen sei auf die Leitlinie "Kolorektales Karzinom: Prävention, Diagnostik und Therapie 2004" der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten verwiesen.

Die Nachsorge von Merkmalsträgern wurde unlängst auch im Deutschen Ärzteblatt diskutiert.

Bei HNPCC Patienten liegt in der Regel mindestens eine Mutation in einem sog. Mismatch Repair Gen (MMR) vor. Insgesamt sind sechs MMR Gene bekannt, die bei HNPCC mutiert sein können; der Erbgang ist autosomal dominant. Weiß man, welche der möglichen Mutationen bei einem Patienten vorliegt, so können seine Familienmitglieder gezielt auf diese Mutation hin untersucht werden. Nur Familienmitglieder mit der selben Mutation haben ein deutlich erhöhtes Krebsrisiko.

HNPCC-Verdachtsfälle werden durch Erfüllen der Amsterdam- bzw. Bethesdakriterien begründet. Allerdings sind nur etwa 30% aller Patienten, welche die Bethesdakriterien erfüllen, und etwa 85% aller Patienten, welche die stringenteren Amsterdamkriterien erfüllen, auch tatsächlich genetische Merkmalsträger.

Tabelle 1:

Amsterdam II Kriterien (alle Kriterien müssen erfüllt sein)

1. mindestens drei Familienangehörige mit HNPCC-assoziiertem Karzinom(Kolon/ Rektum, Endometrium, Dünndarm, Nierenbecken/Ureter)

2. einer davon Verwandter ersten Grades der beiden anderen

3. Erkrankungen in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Generationen

4. mindestens ein Patient mit der Diagnose eines Karzinoms vor dem 50. Lebensjahr

5. Ausschluss einer Familiären Adenomatösen Polyposis (FAP)


Tabelle 2:

Bethesdakriterien (mindestens ein Kriterium muss erfüllt sein)

1. positive Familienanamnese entsprechend den Amsterdam-Kriterien

2. synchrone/ metachrone Kolon-/ Rektumkarzinome oder HNPCC-assoziierte Karzinomerkrankungen (Endometrium, Nierenbecker/Ureter, Dünndarm, Magen, Ovar, hepatobiliäres System)

3. zwei erstgradig verwandte betroffene Familienmitglieder mit Kolon-/Rektumkarzinom und/ oder HNPCC-assoziierter Tumorerkrankung (einer < 45 Jahre) und/ oder Adenom des Kolons oder Rektums vor dem 40. Lebensjahr

4. Kolon-/ Endometriumkarzinom vor dem 45. Lebensjahr

5. undifferenzierte rechtsseitige Kolonkarzinome (solid/cribriform) vor dem 45. Lebensjahr

6. siegelringzelliges Kolonkarzinom vor dem 45. Lebensjahr

7. Adenom des Kolons oder Rektums vor dem 40. Lebensjahr

   

MMR-Mutationen führen als Sekundärerscheinung zur sogenannten Mikrosatelliteninstabilität. Als Mikrosatelliten bezeichnet man kurze, repetitive DNA-Fragmente, die aufgrund ihrer Sequenzstruktur für Mutationen besonders anfällig sind und daher beim Ausfall von DNA-Reparaturenzymen besonders häufig mutieren. In den letzten Jahren wurden verschiedene Kombinationen solcher Mikrosatellitenmarker als aussagekräftige Indikatoren für das Vorliegen einer MMR-Mutation international anerkannt und es wird empfohlen, die Diagnosestellung HNPCC durch Mikrosatellitentestung zu verifizieren, ehe die wesentlich aufwändigere Suche nach der zugrundeliegenden MMR-Mutation vorgenommen wird.

Eine anschließende Immunohistochemie kann zur Identifikation des betroffenen Gens beitragen. Die Suche nach der zugrundeliegenden Mutation erfolgt durch Gensequenzierung des immunohistochemisch ausgefallenen MMR Markers oder durch Sequenzierung der MMR-Gene bis zum Nachweis einer zweifelsfrei pathogenen Keimbahnmutation.

Therapeutische Konsequenzen

Bei Vorliegen eines begründeten Verdachts auf HNPCC sowie bei Kenntnis der pathogenen Mutation wird durch die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten eine humangenetische Beratung, verbunden mit einem HNPCC Früherkennungsprogramm und einem psychoonkologischen Beratungsgespräch für den Patienten und anfragende Familienmitglieder empfohlen. Literatur